Es werde Ton, es werde Licht!
25 Jahre Stonehenge-Pro-Audio

Es werde Ton, es werde Licht!

Wo auch immer im hohen Norden etwas veranstaltet wird, regelt meistens ein Husumer Unternehmen im Hintergrund die Technik: Stonehenge-Pro-Audio feiert in diesem Frühling sein 25-jähriges Jubiläum. Offiziell. Aber eigentlich, sinniert der Chef Stephan Henningsen, begann alles schon viel, viel früher …

Manche Unternehmen wachsen so organisch, dass es schwer zu sagen ist, wann alles eigentlich begann. Vor allem dann, wenn der Unternehmensgründer zu der Sorte Mensch gehört, sie schon seit der Grundschule still und stur ihr eigenes Ding gemacht haben. Und so könnte man sagen, dass Stephan Henningsen schon mit 8 Jahren zum ersten Mal in sein Unternehmen investiert hat: Da kratzte er das Taschengeld für ein eigenes Kofferradio zusammen. Das gute Stück schraubte er zig-Mal auseinander, bis das nächste große Ding hermusste: ein Kassettenrekorder. „In den 70ern war das Zeug noch richtig teuer“, meint Henningsen. „Aber ich musste immer was um die Ohren haben: Ich war süchtig nach Musik und nach Hörspielen. Meine armen Eltern hatten keine ruhige Minute – und der Lautstärkeregler war heiß umkämpft.“

Mit selbstgebauten Boxen on the Road

Noch zu Schulzeiten bestimmt Henningsen schon klar den Ton: Als stolzer Besitzer einer HiFi-Anlage bastelt er sich die Boxen dazu selbst. Und bald für Freunde und Bekannte. Wo auch immer der Tüftler Hand anlegt, kommt ordentlich Wumm heraus – was sich unter Musikbegeisterten schnell herumspricht. Bald setzt er sich ans Mischpult, bringt sich das Mixen bei und sorgt auf Veranstaltungen für guten Sound.

Er steigt bei der Rockband Dallas ein und tourt mit ihr durch die Gegend. Parallel dazu baut er immer größere Sachen: Endverstärker, Hornlautsprecher, Bühnenmonitore, Leistungsverstärker – was eben gerade gebraucht wird. Ende der Achtziger hat sich Henningsen tief in die professionelle Beschallungstechnik eingefuchst, er wächst mit seinen Aufgaben.

Doch ab wann hat man es wirklich drauf? „Irgendwann konnte ich zwar irgendwie alles, aber es fehlte der letzte Schliff. Auch, um anderen gegenüber als Profi auftreten zu können.“ So entschied sich Henningsen, noch einmal gründlich zu studieren, was er sich praktisch schon angeeignet hatte. Er ging an die School of Audio Engineering, die er 1989 mit einem Diplom abschloss.

Ende der Bastelphase, Einstieg in die Profiklasse

Anfang der 90er ist Schluss mit den Selbstbau-Boxen. Es wird tüchtig in Markenprodukte investiert. Gleichzeitig wächst der Kundenstamm. Neben privaten Fest-Veranstaltern kommen immer mehr Business-Kunden hinzu: Autohäuser, Möbelmärkte, Hotels und zahlreiche Künstler und Bands. Bald wird klar: Guter Sound allein reicht nicht, es muss auch noch Licht dazu.

Die Kunden wollen das Gesamtpaket, und alle Probleme, die an Kabeln hängen, gerne an Henningsen loswerden. Also werden Beleuchtungskonzepte entwickelt und die entsprechende Technik eingekauft. Und die ersten festen Mitarbeiter stoßen dazu. Bald kommen Anfragen für Messestände, für Traversen- und komplexe Bühnensysteme. „Die Technik wird immer ausgeklügelter, damit steigen aber auch die Ansprüche“, beobachtet Henningsen. „Jetzt kommen faszinierende Neuerungen in der LED-Technik, im Multimedia-Einsatz und – ganz großes Thema – in der Energie-Effizienz. Langweilig wird es also nie.“

Frischer Wind durch junge Menschen

„Stonehenge-Pro-Audio“ ist seit 2005 IHK Ausbildungsbetrieb – und konnte bereits zweimal den Landessieger unter den Auszubildenden stellen. Bei Henningsen lernen sie von Anfang an alles: vom Bühnenbau über optimale Dimensionierung und Ausrichtung der Beschallungsanlagen bis hin zur Überwachung der Technik. Vor allem die Sicherheit des eingesetzten Materials und dessen Handhabung erfordern höchste Sorgfalt. „Klasse, wenn sich junge Leute für den Beruf entscheiden. Sie müssen aber wissen: Dieser Job fordert viel. Ohne Begeisterungsfähigkeit geht auf Dauer nichts“, so Henningsen.

Veranstaltungstechnik ist schnelllebig, hochkreativ und verlangt ständige Weiterbildung. So hat man sich nach Kooperationspartnern umgesehen – für einen regen fachlichen und personellen Austausch, der Auszubildenden wie alten Hasen zugutekommt. Kooperationen bestehen derzeit mit dem TSBW, der Messe Husum, und – weiter südlich – mit der Neuen Flora Hamburg und der dazugehörigen Stage Entertainment Gruppe.

Im Husum verwurzelt, in Europa vernetzt

Heute pflegt Stonehenge-Pro-Audio stolz einen Kundenstamm, der von Italien bis nach Finnland reicht. Die Kunden schätzen es, wenn Erfahrung, Leidenschaft und eine genaue Kenntnis der Bedingungen vor Ort zusammentreffen. Bei der Messe Husum und Congress ist man seit jeher als Ausrüster dabei. Aber auch an den Husumer Hafentagen, dem Krokosblütenfest oder den Husumer Krabbentagen kommt die Technik vom Stonehenge-Team. Modenschauen gehören mittlerweile auch ins Repertoire, zum Beispiel für C. J. Schmidt.

Wählerisch ist man bis heute nicht: „Wir machen buchstäblich alles, von der kleinen Feier bis zum Mega-Event. Durch diese Vielfalt erhalten wir unsere Spannkraft und unsere Kreativität.“ Wer heute bei Stonehenge-Pro-Audio anklopft, kann sich beraten lassen, das Equipment mieten und selber in die Tasten greifen – oder alles an Henningsens Team abgeben, das mittlerweile bis zu 14 Personen stark anrücken kann.

A propos stark: 2005 fand Henningsen seine Frau Marion, die ebenfalls bei Stonehenge einstieg – sie hält das Unternehmen als Buchhalterin und Orga-Talent zusammen. Zwei Kinder brachte sie gleich mit, beide damals kurz vor der Teenager-Schwelle. Heute ist Lisann 20 – sie entschied sich gerade gegen eine Banklehre und macht lieber eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau. Woher sie das nur hat. Und Lars Timo (22), der für Henningsen ebenfalls so manches Kabel ausrollte, studiert auf Wirtschaftsingenieur.

Ein astreines Familienunternehmen also, das alles aus einer Hand bietet – und alles an einem Ort: Stonehenge-Pro-Audio arbeitet in einer alten Wassermühle. Dort sind untergebracht: Verkaufsraum, Werkstätten, Büro und Lager. Vierhundert Jahre alt ist das Gebäude, und seit vier Generationen das Zuhause von Henningsens Familie. Von dort also, wo einst ein kleiner Junge an seinem Kofferradio bastelte, kommt die Power für die Events einer ganzen Region.